Neue Vorlaufstudie: Auf dem Weg zum DIDA-Netzwerk der digitalen Daseinsvorsorge

Im Auftrag der Stiftung Mercator arbeite ich gerade an einem Projekt, das mir sehr am Herzen liegt: Ich arbeite an einer Vorlaufstudie für DIDA – ein Netzwerk für digitale (erweiterte) öffentliche Daseinsvorsorge. Hier möchte ich kurz erklären, was hinter dem DIDA-Prinzip steckt, was ich mit der Vorlaufstudie vorhabe und wo ich gezielt nach Use Cases, User Flows und Anbietern suche, die Teil von DIDA werden könnten.

Immer mehr Lebenslagen werden heute digital begleitet. Ob Schwangerschaft und Geburt, die Pflege von Angehörigen, psychosoziale Beratung, soziale Teilhabe, berufliche Orientierung oder der Zugang zu Unterstützungsleistungen: Es gibt bereits eine Vielzahl von Apps, Plattformen, Beratungsangeboten und Tools, die Menschen im Alltag unterstützen. Hinzu kommen auch analoge Angebote, die vor Ort genutzt werden können, die aber zumindest eine Website oder sonstige digitale Präsenz besitzen.

Trotzdem wirkt die Landschaft für viele Nutzerinnen und Nutzer zersplittert. Angebote sind häufig – insbesondere im Zeitalter der KI-Suchmaschinen – schwer auffindbar, oft nur zufällig sichtbar und inhaltlich kaum miteinander verknüpft. Wer sich durch mehrere Angebote arbeitet, muss dieselben Daten immer wieder neu eingeben und springt von Website zu Website oder von App zu App. Viele Akteure leisten wertvolle Arbeit, arbeiten aber technisch und organisatorisch in Silos, obwohl sie sich inhaltlich hervorragend ergänzen würden.

Genau an diesem Punkt setzt DIDA an.

Was ist DIDA?

DIDA versteht sich als technische Infrastruktur und Netzwerk, das bestehende, vertrauenswürdige digitale Angebote der erweiterten (also nicht-staatlichen) Daseinsvorsorge miteinander verbindet. Es geht nicht darum, ein weiteres „Superportal“ neben alles andere zu stellen, sondern darum, eine verbindende Ebene zu schaffen, die das Potenzial bereits vorhandener Lösungen besser zur Geltung bringt.

Das Prinzip von Schnittstellen und Interoperabilität ist in Bereichen der Wirtschaft weit verbreitet: Wer zum Beispiel bei Preissuchmaschinen nach einem Produkt sucht, stößt im Hintergrund verschiedene Abfragen über standardisierte Schnittstellen zu unterschiedlichsten Akteuren an. Im Bereich der Daseinsvorsorge gibt es jedoch keine Interoperabilität. Im Zeitalter der großen Plattformökonomie haben somit kleinere Akteure kaum eine Chance zu bestehen. DIDA erzeugt ein dezentrales Netzwerk, um aus der Schwäche von Einzelnen die Stärke von Vielen zu machen.

Ein zentraler Gedanke ist die souveräne Datennutzung: Nutzerinnen und Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Daten und entscheiden selbst, welcher Dienst welche Informationen erhält. Mit Einwilligung können Daten von Angebot A zu Angebot B übertragen werden, sodass weniger Doppeleingaben nötig sind und gleichzeitig Datenschutz und Datensparsamkeit gewahrt bleiben. Technisch setzt DIDA daher auf Interoperabilität und Schnittstellen: unterschiedliche Systeme sollen so miteinander sprechen können, dass ein nahtloser User Flow entsteht.

Gleichzeitig verfolgt DIDA eine klar gemeinwohlorientierte Perspektive. Es geht darum, Zugänge zu erleichtern, Teilhabe zu ermöglichen und Menschen im Alltag konkret zu entlasten – und zugleich gemeinwohlorientierten Anbietern bessere Rahmenbedingungen zu verschaffen, indem sie nicht länger isoliert agieren müssen.

Auch die öffentliche Hand profitiert in mehrfacher Hinsicht. DIDA entlastet Verwaltungen, indem es geprüfte Angebote bündelt, technische Standards setzt und als Ansprechpartner für nicht-staatliche Akteure fungiert. Gleichzeitig wird durch Interoperabilität zwischen staatlichen und nicht-staatlichen Diensten ein nahtloser Übergang für Bürgerinnen und Bürger möglich, etwa zwischen einem amtlichen Antragsprozess und einer ergänzenden Beratung durch ein Unternehmen oder eine NGO. Der Staat erweitert so seine digitale Leistungsfähigkeit, ohne selbst jedes Angebot entwickeln zu müssen.

Was macht die Vorlaufstudie?

Mit der Vorlaufstudie möchte ich herausfinden, wie ein solches Netzwerk in der Praxis konkret aussehen könnte. Dazu identifiziere ich zunächst real existierende Angebote, die sich besonders gut eignen, um DIDA an konkreten Beispielen greifbar zu machen. Anschließend geht es darum, Use Cases und User Flows zu entwickeln, die sowohl aus Sicht der Anbieter als auch aus Sicht der Nutzenden sinnvoll sind.

Konkrete User Flows: Wie Menschen durch das Netzwerk gehen könnten

Sehr wichtig sind für mich konkrete Szenarien, die sich an realen Lebenssituationen orientieren. Ein Beispiel ist die Lebenslage „werdende Eltern“. Hier könnte der Einstieg etwa über ein allgemeines Informations- oder Beratungsangebot erfolgen, das grundlegende Fragen klärt und Orientierung bietet. Von dort aus könnte der Weg weiter zu einer digitalen Hebammensuche führen, die bei der konkreten Versorgung unterstützt. Im nächsten Schritt wären Rechner oder Assistenten für Themen wie Elterngeld oder Kinderzuschlag denkbar. Und schließlich könnten Angebote vor Ort – Frühe Hilfen, Familienzentren, Elternkurse – in den digitalen Weg eingebunden werden. In einem späteren Schritt könnte dann über eine standardisierte Schnittstelle zur öffentlichen Hand sogar der Antrag für Elterngeld gestellt werden.

Ein anderes Beispiel ist die Situation von Menschen, die die Pflege eines Angehörigen übernehmen. Häufig beginnt dieser Weg mit der Suche nach verständlichen Informationen oder einer niedrigschwelligen Beratung. Darauf könnten Hilfen wie Pflegegrad-Rechner oder strukturierte Checklisten folgen. Anschließend geht es oft darum, lokale Angebote zu finden (Pflegedienste, Entlastungsangebote, Selbsthilfegruppen) und gegebenenfalls Anträge zu stellen. In einem DIDA-Netzwerk könnten hierbei Daten, die einmal sorgfältig eingegeben wurden, an sinnvollen Stellen wiederverwendet werden, ohne dass Betroffene ihre Geschichte ständig von vorn erzählen oder denselben Fragebogen mehrfach ausfüllen müssen.

In beiden Fällen ließe sich zeigen, wie DIDA Datenflüsse bündelt, Doppelarbeit reduziert und gleichzeitig dafür sorgt, dass Menschen nicht in Zuständigkeitslogiken stecken bleiben, sondern entlang ihrer tatsächlichen Lebenslagen begleitet werden.

Gesucht: Anbieter und Ideen für DIDA

Für die Vorlaufstudie bin ich auf der Suche nach Anbietern mit bestehenden digitalen Angeboten, die prinzipiell offen für Vernetzung sind. Das können Beratungsplattformen sein, Matching- oder Vermittlungsdienste, Rechentools und Antragsassistenten oder Informationsportale mit klar definierten Zielgruppen. Besonders interessant sind Angebote, die heute schon merken, dass ihre Zielgruppe eigentlich mehr Unterstützung brauchen, als sie selbst leisten können, und daher häufig an andere Stellen verweisen (oder verweisen möchten).

Mit DIDA möchte ich gemeinsam mit engagierten Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung und Social Tech ausloten, wie ein vernetztes, gemeinwohlorientiertes Ökosystem digitaler Daseinsvorsorge aussehen kann. Die Vorlaufstudie ist dabei der erste Schritt. Sie soll konkrete Beispiele, Partner und User Flows sichtbar machen und damit den Boden bereiten für ein Netzwerk, das Menschen durch Lebenslagen begleitet, statt sie zwischen Angeboten und Zuständigkeiten hin- und herzuschicken.

Wenn du ein Angebot betreibst, jemanden kennst, der hier gut passen würde, oder einfach Fragen und Ideen hast, freue ich mich sehr über eine E-Mail über meine Kontaktseite oder eine Nachricht bei LinkedIn.

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